Wanderstecken

 
Backnang, Herbstmond 2013 Jahrgang 64 / Folge 9

 

 

 

Bundestreffen 2013

 

 

Am letzten Juliwochenende trafen wir uns wieder einmal zum Bundestreffen in Passau.

 

Die Gruppen aus Baden-Württemberg fuhren erneut mit einem Sammelbus, der in Heidelberg startete und dann einen kleinen Umweg fuhr, um die "Schwaben" aus Nürtingen und Esslingen einzusammeln und dann zusammen in die Dreiflüssestadt zu fahren. Die Verkehrsbedingungen waren für das erste Ferienwochenende wider Erwarten recht gut, sodass wir unser Ziel nach rund siebeneinhalb Stunden Fahrt noch vor Mitternacht erreichten. Annemarie und Dietmar Kiebel empfingen uns am Eingang des Amedia-Hotels in Passau, das für das Wochenende unser Quartier war. Und nach der doch langen Fahrt im Bus genossen wir die angenehme nächtliche Kühle in der Dreiflüssestadt und trafen uns noch vorm Hotel zu einem gemeinsamen Plausch.

 

Am Samstag nach dem Frühstück trafen wir Baden-Württemberger uns dann zu einer kleinen Probe in der Dreiländerhalle. Die gemeinsamen Lieder und Tänze wurden geprobt, während die Münchener die Mahnmalfeier in Lackenhäuser gestalteten und dort "tief drin im Böhmerwald" vielleicht nicht ganz so schwitzen mussten. Nach der Probe zogen wir uns um und fuhren in die Innenstadt. Dort verteilten wir uns, um noch eine Kleinigkeit zu essen, und wie jedes Jahr traf man im Bayerischen Löwen viele Trachtenträger, die sich meist als "alte Bekannte" entpuppten.

 

Danach stellte man sich dann in der Brunnengasse auf; von dort gab es einen Trachtenzug zum Dom. Mit Jugend, Spielscharen und Trachtenträgern mit Fahnen aus den Heimatgruppen war es doch eine sehr große Gruppe, die in der Mittagssonne durch die Stadt zog, sehr zur Freude der zahlreichen Zuschauer, die sich meist schattige Plätzchen gesucht haben. Wir zogen in den Dom ein, und da der Vorplatz wegen Bauarbeiten gesperrt war, wurde das Totengedenken in den angenehm kühlen Dom verlegt, worüber in Anbetracht der Außentemperaturen niemand böse war. Auch sonst war es ein sehr schöner und feierlicher Rahmen für diese kleine Gedenkfeier, bei der wir das Wulda-Lied sangen, was beim ein oder anderen auch eine Gänsehaut hervorrief. Wir waren uns einig, dass diese Feier auch künftig im Dom stattfinden sollte.

 

Anschließend gab es eine Andacht im Dom, und danach trafen wir uns mit den Münchnern und tanzten in der Fußgängerzone. Renate und Andreas Kronewitter hatten die technische Organisation übernommen, und auch ein bisschen die Programmplanung. Aber da die Hitze inzwischen fast unerträglich war und wir in der prallen Sonne tanzten, entschieden wir uns, zwei einfache und langsame Tänze zu zeigen – die Bayerisch Polka und den Lauterbacher. Mehr war an diesem Nachmittag niemandem zuzumuten. Uli Spitzenberger sagte die Gruppe an und lud auch die Passauer Bevölkerung und die Besucher der Stadt zum Heimatabend ein.

 

Zurück in der Dreiländerhalle stand gleich die Stellprobe an, und jetzt wurden die gemeinsamen Lieder mit den Münchnern nochmals geprobt. So konnte man bestens vorbereitet dem Heimatabend entgegensehen. Zuvor eröffneten wir noch die Ausstellung, bei der die einzelnen Heimatgruppen Trachten, Handwerkliches, Handarbeiten und vieles andere vorstellten.

 

Nach dem Abendessen war es dann soweit. Die Jugendgruppen und Spielscharen zogen zum Einmarsch der Nürtinger Stubenmusik in die Halle ein. Insgesamt konnte man auch mit dem Besuch am Samstagabend recht zufrieden sein. Der Heimatabend stand unter dem Motto "Feste und Bräuche im Jahreslauf" und wurde von Annemarie Kiebel und Regina Beck aus Nürtingen ausgearbeitet. Diesmal waren viele "neue alte" Lieder enthalten – eben Lieder, die man noch nie oder schon lange nicht mehr bei einem Auftritt gesungen und gehört hatte, wie zum Beispiel "A lustige Stund" oder "Im Fruahjahr wenns grea wird". Und wenn jemand bei diesen Außentemperaturen ziemlich erschöpft war und vielleicht von den teilweise auch getragenen Liedern etwas müde wurde, der war wieder hellwach, als die Heidelberger Ratschenbuam über die Bühne zogen und mächtig Krach machten. Auch beim Tanzen waren einige neue oder schon lange nicht mehr gesehene Tänze dabei, zum Beispiel der Brautlandler oder auch das Spinnradl zu dritt. Auch das altbekannte Mühlradl war mit zwei Kreisen schön anzuschauen, was auf der großen Bühne sehr gut zur Geltung kam. Und weil ihnen noch nicht heiß genug war, wirbelten die Nürtinger dann noch mit einer flotten Böhmischen Polka und einer figurenreichen und noch flotteren Donauschwäbischen Tanzfolge über die Bühne.

 

 

Birgit Kern Bundestreffen 2013-1

                                                            

                                                                                       Foto: Birgit Kern            

 

 

Die Zuschauer wussten allesamt zu schätzen, was wir da auf dieser Bühne bei diesen Temperaturen ablieferten, und sparten daher auch nicht mit Applaus. Der Heimatabend war für jeden, der dabei war, ob als Mitwirkender oder als Zuschauer, ein Erlebnis. Zum Schluss sangen wir mit dem Publikum gemeinsam das Wulda-Lied, und wiederum begleitet von viel Beifall zogen wir von der Bühne.

 

Jetzt hatten wir uns gekühlte Getränke und das "Lockern" der Tracht redlich verdient. Aber vom Tanzen hatten viele noch nicht genug, denn Andreas Kronewitter baute noch einmal die Musikanlage auf, und es gab in der Dreiländerhalle noch eine kleine "After-Party". Somit endete ein ereignisreicher, heißer, aber sehr schöner Samstag, und die meisten fielen dann völlig platt nur noch ins Bett.

 

Relativ ausgeruht ging es am Sonntag weiter mit dem Gottesdienst in der Dreiländerhalle, der von Herrn Pfarrer Wuchterl gehalten wurde. Die Münchener Gruppe sang hierbei die Waldlermesse. Anschließend folgte der Einzug der Fahnen und der Jugend zur Kundgebung. Und die Fahnenträger muss man an dieser Stelle auch mal loben, die auf der Bühne schwitzten, aber tapfer durchhielten, auch die jungen, die unsere Jugendfahnen trugen, wie Luis Kronewitter, Tim Schlichenmaier, Daniel Schloegel und Konstantin Strunz. Nach dem Einzug hielt Armin Fechter das Totengedenken. Nach einem Grußwort vom Passauer Oberbürgemeister und unserem Bundesvorsitzenden Ingo Hans hielt Uli Spitzenberger in diesem Jahr die Rede für die Böhmerwaldjugend, bevor dann die bayerischer Sozialministerin, Christine Haderthauer die Hauptrede hielt. Sie überbrachte die Grüße und Wünsche der bayerischen Landesregierung und versprach, dass man sich auch von dieser Seite weiter für die Belange der Böhmerwäldler und Sudetendeutschen einsetze und weiterhin den Dialog mit Tschechien sucht. Mit den Hymnen (Bayernhymne, Böhmerwaldlied und Deutschlandhymne) endete die Kundgebung und somit der offizielle Teil des Treffens. Nun blieb für die Heimatgruppen Zeit für Begegnungen, Gespräche, Wiedersehensfreude und vieles mehr.

 

Für uns hieß es dann auch schon bald wieder Abschied nehmen aus der Dreiflüssestadt. Alle Gruppen trafen sich zum großen Schlusskreis im Foyer der Dreiländerhalle, was auch immer einige Zuschauer anzieht. Mit einem "Grüaß die Goud" und dem Wunsch nach einem baldigen Wiedersehen endete für uns das Bundestreffen der Böhmerwäldler 2013.

 

Auch auf der Heimfahrt hatten wir wieder Glück mit dem Verkehr, sodass wir gegen 19.30 Uhr die Nürtinger und Esslinger "ausladen" konnten. Die restliche Heimfahrt verbrachten wir Kurpfälzer mit DVD-Schauen, und bei "Mary Poppins" verging auch hier die Zeit recht schnell, sodass auch wir gegen 21.30 Uhr daheim waren. Zusammenfassend kann man sagen: "Schee war's".

 

Viele Grüße und hoffentlich bis bald.

Karola Gronert

 

 

 

 ____________________________________

 

 

Ein Rückblick: 50 Jahre Böhmerwaldjugend und Wanderstecken

 

Grußworte

Stefan Klotz, Bundesjugendleiter:

 

50 Jahre Böhmerwaldjugend. Ein halbes Jahrhundert besteht unsere Jugendorganisation nun schon. Und trotzdem wir als Verband und Träger der Trachten der Vorfahren aus dem Böhmerwald schon oft totgesagt wurden, gibt es uns noch immer. Immer waren es einzelne stark engagierte Böhmerwäldler und später die Mitglieder unserer Böhmerwaldjugend, die den Verband am Leben erhielten, mit Leben und Inhalten füllten und so in die Zukunft führen konnten. Aus der Not der Nachkriegsjahre geboren, um den vertriebenen Jugendlichen eine Stütze, Hilfe und einen Ort der Identitätsfindung zu geben, hat die Böhmerwaldjugend im Laufe ihrer Geschichte eine langsame, kontinuierliche aber grundlegende Veränderung durchlaufen. In den ersten Jahren ihres Bestehens wurde noch fest mit der Möglichkeit der Rückkehr in die Heimat am Fuße von Arber und Osser gerechnet. Es wurden landwirtschaftlich orientierte Lehrgänge durchgeführt, um die durch die nicht zu rechtfertigende Vertreibung landlos gewordenen Nachfahren meist bäuerlicher Familien zu lehren, wie eine Landwirtschaft zu führen ist.
Es wurde Kameradschaft und gutes Sozialverhalten vermittelt, Schulungen behandelten politische Themen, um die Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf das Leben in der Demokratie des neuen Staates, in den sie hineinkatapultiert wurden, vorzubereiten. Das Wissen um die Böhmerwaldheimat, um das Sudetenland war ja vorhanden und musste nicht angelesen oder von Dritten vermittelt werden. Man war ja selbst noch aktiver Miterleber des Geschehenen und fühlte sich als Böhmerwäldler unter Böhmerwäldlern zuhause und hatte auch das Gefühl zu einer kleinen Volksgruppe zu gehören, die durch die unglückseligen Umstände der Weltpolitik aus ihrer Heimat gejagt und in alle Winde zerstreut wurden.
Dann kam die Zeit des Wiederaufbaues, der Integration in eine neue Gegend und oftmals die Konfrontation mit einer völlig anderen Mentalität. Viele wollten nicht auffallen, nicht als Flüchtlinge, Vetriebene oder als Rucksackdeutsche gelten. So passten sie sich an, erlernten neue Dialekte, legten ihre alten ab. Viele taten es so. Wer könnte es ihnen auch verdenken. Wer wollte schon mit dem sozialen Makel eines „Reingeschmeckten“ behaftet sein.
So haben viele schon in der ersten Generation nach der Vertreibung ihren angestammten Dialekt verloren, haben ihre Wurzeln verleugnet, ihre Geschichten und Sagen vergessen. Die Elterngeneration wollte vielleicht auch den Schmerz um die verlorene Heimat verdrängen und hat deshalb oft nichts oder nur wenig von der Vergangenheit erzählt. Sie wollte wohl der jungen, nachwachsenden Generation eine unbeschwerte Kindheit ermöglichen. Die Vorbelastung durch die Geschichte sollte den Kindern erspart bleiben. Die Frage ist nur, war das auch gut so ? Diese Frage muss letztlich jeder für sich selbst beantworten. Eine klare Folge davon ist jedoch, dass das Zusammengehörigkeitsgefühl der Volksgruppe und Ihrer Nachfahren dadurch verloren ging. Die nachwachsenden Generationen haben sich durch das Fehlen des eigenen Dialektes, durch die Unkenntnis der Geschichte und der Erlebnisse der Vorfahren immer mehr von der Schicksalsgemeinschaft der Böhmerwäldler wegentwickelt. Sie fühlen sich heute in ihrer bedeutenden Mehrheit als Badener, Bayern, Schwaben oder Hessen. Wer von den nach 1960 Geborenen fühlt sich heute noch als Böhmerwäldler oder Angehöriger einer vertriebenen Volksgruppe ? Sicherlich nur noch einzelne. Rechnet man zurück auf die etwa 200.000 vetriebenen Böhmerwäldler, so müsste es heute grob geschätzt zirka 200.000 bis 300.000 Nachfahren deutscher Menschen aus dem alten Heimatraum geben. Von diesen wären etwa 30.000 bis 40.000 im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Ginge man davon aus, dass sich nur zwei Prozent dieser Nachfahren für die Heimat im Böhmerwald interessieren würden und sich organisieren wollten, dann müsste unser Verband rund 750 Mitglieder haben. Leider sind es aber nur noch um die 200, die der BWJ die Treue halten und sich für das Überleben und die Pflege eines Teiles des deutschen Kulturerbes einsetzen - wo sind die anderen 29.800 ? Wissen sie überhaupt dass es die BWJ gibt, dass ihre Vorfahren gewaltsam, entgegen dem gültigen Völkerrecht von Haus und Hof verjagt wurden?

Allein die Tatsache, dass sich nur 0,5 % der jungen „Böhmerwäldler“ für die Heimat ihrer Vorfahren interessieren, bedeutet auch, dass es immer weniger Menschen gibt, welche die Aufgaben, die ein Jugendverband wie die BWJ hat, ehrenamtlich wahrnehmen wollen. Diejenigen, die überhaupt noch etwas tun, bekommen immer mehr Aufgaben angetragen, wohingegen die Bereitschaft anderer mitzuarbeiten im gleichen Maße sinkt. Viele kommen einfach nicht mehr zu den Gruppenstunden und so wird es auch für uns immer schwieriger, vernünftig zu arbeiten. Die Freude an der Arbeit wird eben dadurch nicht gerade gesteigert, dass man viele ewig bitten muss, zu diesem oder jenem Auftritt mitzufahren oder verantwortlich eine Aufgabe zu übernehmen.
Dazu kommt noch, dass diejenigen, die ehrenamtlich die Arbeit übernehmen, meistens auch im Berufsleben mehr eingespannt, engagiert und belastet sind als andere. Es liegt wohl daran, dass diese Menschen ein anderes Verständnis von Verantwortung und sozialem Engagement haben als diejenigen, die der allgemeinen Entwicklung folgend, nur konsumieren und für sich alleine verantwortlich sein wollen. Dadurch, dass aber die wenigen engagierten Leute mit Arbeit überladen werden, schwindet auch deren Lust noch etwas zu tun immer mehr. Wir müssen also vorsichtig mit denjenigen umgehen, die überhaupt noch etwas zu tun bereit sind.

Tatsache ist es, dass es immer schwieriger wird, noch Gruppen zu finden, die alleine, zum Beispiel in Passau beim Bundestreffen, auftrittsfähig sind. Schon in den letzten Jahren war es, mit Ausnahme unserer Gruppe aus München, nur noch möglich aus mehreren Gruppen zusammengestellte Spielscharen auf die Bühne zu bringen, die sich bei überregionalen Treffen auf diese Auftritte vorbereitet haben. Wie in den meisten anderen Vereinen oder Verbänden haben auch wir mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Viele Gruppen „überaltern „, Jugendliche in diesem Sinne in der Altersklasse von 14 bis 18 Jahren findet man nur noch in den wenigsten Spielscharen. Und die derzeitigen Kindergruppen können den Schwund nicht annähernd ausgleichen, der durch den Weggang von Mitgliedern aus den Spielscharen entsteht.

Dies sind nun mehrere Gründe für den Wandel in der BWJ. Man muss den jüngeren Gruppenmitgliedern heute erklären, woher die Vorfahren stammten, sie kennen ja die Böhmerwaldheimat nicht mehr. Bestenfalls aus Erzählungen in der Familie oder von einigen wenigen geretteten Fotografien der Großeltern. So wandeln sich die Lehrgangsinhalte und auch die Einstellung zur Arbeit in der BWJ. Früher waren viele Gruppenmitglieder noch politisch motiviert. Heute gilt das Hauptinteresse der kulturellen Arbeit, dem Volkstanz und Singen sowie den Trachten. Die meisten kennen nicht mehr die Hintergründe und Ursachen der Vertreibung. Sie wissen oft nur unzureichend Bescheid darüber, wann und warum deutsche Siedler vor über 850 Jahren in das unwirtliche Mittelgebirge des Böhmerwaldes kamen, es rodeten, urbar machten und es im Laufe der Jahrhunderte in Kulturlandschaft verwandelten. Dies sind heute Inhalte für Lehrgänge, genauso wie die Pflege und Aneignung von handwerklichen und gestalterischen Fertigkeiten wie sie in der alten Böhmerwaldheimat zuhause waren. Scheckelkratzen gehört genauso dazu wie der Bau von Ratschn für die Osterzeit. Hier haben wir das Glück, über gute Referenten aus den eigenen Reihen zu verfügen, die uns dieses Wissen noch vermitteln können. 
Auch muss sich die BWJ mit den modernen Medien auseinandersetzen. Und so ist im Herbst diesen Jahres eine Schulung zum Thema Internet und dem Aufbau von Homepages der Böhmerwaldjugend geplant.

Natürlich darf man nicht vergessen, dass wir als Böhmerwaldjugend einer der Hauptrepräsentanten unserer Volksgruppe in der Öffentlichkeit sind. Schon allein durch das Tragen der Trachten und durch viele Auftritte der Gruppen bei Stadtfesten, Treffen und internationalen Begegnungen wie beispielsweise der Europeade, weist die BWJ auf unsere Volksgruppe und deren Schicksal hin. Hier sehen wir auch in Zukunft unsere Hauptaufgabe. Das Bewahren und Lebendighalten von Lied, Tanz, Literatur und von Trachten einer Volksgruppe die willkürlich ihrer Einheit, Heimat und Lebensgrundlage beraubt wurde.

Für die vielen Jahre der idealistisch geleisteten Arbeit will ich mich bei all meinen Vorgängern, deren Mitstreitern und Freunden herzlich bedanken. Genauso bei all denen, die auch heute noch, entgegen allen Strömungen des Zeitgeistes und unter Zur-Verfügung-Stellung ihrer Freizeit daran mitarbeiten, dass es 54 Jahre nach der Vertreibung noch eine aktive Böhmerwaldjugend gibt.
Für die Zukunft wünsche ich uns allen Tatkraft, einen freundschaftlichen Geist in unserem Verband und das Gefühl, zusammen zu gehören.

Stefan Klotz

 

Günther Hans, Bundesjugendleiter 1964 bis 1985

 

Nachdem Sabine mich gebeten hat, als ehemaliger Verantwortungsträger in einem Grußwort zu dem großartigen Jubiläum der Böhmerwaldjugend eine Zusammenfassung meiner Tätigkeit in diesem Verband zu erstellen, hier eine kleine Bilanz.
Die enge Verbundenheit zu unserer BWJ mögen ein paar Zahlen zeigen: Von 1966 bis heute habe ich an 43 Freizeiten der BWJ teilgenommen, bei 17 von diesen war ich in Organisation und Gestaltung mitverantwortlich, 25 musste ich auch leiten.
Im gleichen Zeitraum waren etwa 95 Wochenendlehrgänge einschließlich Landes- oder Bundesspiele zu organisieren und durchzuführen, wobei ich die letzten fünf - sechs Jahre meiner Verantwortung in diesem Bereich weniger mitzähle, da hier die Hauptlast des Organisierens und ein großer Teil der Gestaltung bei Marina und Uli lagen. An die 90 Programmzusammenstellungen, nach Uhrzeit aufgeschlüsselt, waren es wohl, die verfasst und an den Staat zur Abrechnung eingesandt werden mussten. Dreizehn Bundestreffen der Böhmerwäldler in Passau waren von der Jugendseite her zu organisieren und mitzugestalten, an etwa 60 Bundesvorstandssitzungen des Böhmerwaldbundes nahm ich teil, neun Jahre lang lag die Verantwortung für den Wanderstecken bei meiner Frau und mir. Zehn Jahre Mitgliedschaft in der Landesleitung der DJO Baden-Würt-temberg mit den entsprechenden Sitzungen und Klausuren, mit dem Ringen gegen die Namensänderung der DJO gehörten ebenso dazu wie zwölf Jahre Mitgliedschaft in der Bundesleitung der SdJ mit ihren Tagungen und Sudetendeutschen Tagen.
Bleiben 22 Jahre Mitgliedschaft in der Spielschar der BöhmerwäldIer in Baden-Württemberg, 20 davon als Chorleiter mit etwa 200 Proben und Auftritten, darunter auch Schallplattenaufnahmen und unzählige literarische Abende.

Nun. was ist meine Bilanz? Ja, es stimmt, so ganz am Anfang mit 15 - 16 Jahren, da war ich stolz darauf, in unserer BVVJ organisatorisch tätig sein zu können und Verantwortung tragen zu dürfen. Sogar einen Verehrerbrief schrieb ich in diesem Stolz auf Briefpapier der BVVJ, aber nur einen, denn der war ganz schnell in einer größeren Runde bekannt, als von mir geplant. Später, nachdem das Verantwortungsgefühl für den Böhmerwald einen großen Teil der ursprünglichen Freude am Tun mehr und mehr ersetzte und letztendlich der Körper begann die Notbremsen zu ziehen, da stand schon die Frage im Raum, hatten all die Jahre einen Sinn? Oft inmitten von vielen Menschen sein, und trotzdem oft so alleine? Hat es sich gelohnt? Was wurde erreicht?

Ja, es hat sich gelohnt ...

Hunderten von jungen Leuten konnten meine Mitarbeiter und ich mitgeben, was an Brauchtum, an geschichtlichem Wissen bekannt war, was unsere Schriftsteller, Komponisten, Künstler, Politiker leisteten. Hunderte bildeten in den Lagern Gemeinschaft und trennten sich mit dem Wunsch, bald wieder zusammenzukommen. So mancher fand ein Stückchen Heimat in einer zerrissenen Welt. Neue Werke der Böhmerwäldler konnten der Öffentlichkeit gezeigt, alte für die Öffentlichkeit bewahrt werden. Tausenden von Menschen durften wir in unseren Abenden beweisen, dass es uns gibt, vor Augen stellen das Niveau der kulturellen Arbeit der Böhmerwäldler. Die Böhmerwaldjugend, auch als politische Jugend, die sie ja ist, 50 Jahre nach der Vertreibung lebendig zu haben in Gruppen, die in guter, oft hoher Qualität den Böhmerwald repräsentieren, das ist ein erreichtes Ziel, das gemeinsam von uns errungen worden ist, gegen die Hoffnung unserer politischen Gegner, gegen die Befürchtung so manch unserer Freunde. Nichts war umsonst in der Arbeit der letzten Jahrzehnte. Wir haben eine Zukunft gebaut, die in großen Teilen nach 1989 schon Wirklichkeit geworden ist. Wir haben es gemeinsam geschafft, den Auftrag unserer Satzung mit Leben auszufüllen und ihm voll zu entsprechen. Darauf kann die Böhmerwaldjugend stolz sein.

Und ich freue mich, dass das Wertvollste, was wir haben, die alte, zerfetzte, im alten Böhmerwald gesponnene und gewebte Lagerfahne mit der Rose, die seit 1949 über uns wacht, an eine jüngere Mannschaft mit neuen und eigenen Ideen weitergegeben ist. Der ganzen Böhmerwaldjugend eine herzliche Gratulation und ein „Glück auf“ für die Zukunft.

Günther Hans

 

Hartmut Liebscher, Landesvorsitzender der DJO Baden-Württemberg

 

Liebe Freunde der Böhmerwaldjugend, 
auf 50 Jahre Jugendarbeit zurückblicken zu können, darauf könnt Ihr zu recht ein wenig stolz sein. Deshalb möchte ich Euch im Namen der DJO-Deutsche Jugend in Europa Baden-Württemberg auch besonders herzlich gratulieren. Die Böhmerwaldjugend hat es immer verstanden die Traditionen des Böhmerwaldes zu bewahren und in ihren Gruppen als Grundpfeiler der Jugendarbeit weiter zu pflegen. Darüber hinaus sich aber auch allen neuen und fremden Strömungen nicht zu verschließen. Eine Brücke zu schlagen zwischen den Nachkommen der Vertriebenen und der einheimischen Bevölkerung ist nicht nur Euer Wille, sondern Ihr habt es auch in Eurer täglichen Arbeit umgesetzt. Gerade als Nicht-Böhmerwälder kann ich dies sagen, man fühlt sich bei Euch sehr schnell wohl und dazugehörig. Und dies wird hoffentlich noch viele Jahre so bleiben.

Die Böhmerwaldjugend ist seit ihrem Bestehen in Baden-Württemberg auch ein fester und tragender Bestandteil der DJO-Deutsche Jugend in Europa. Viele gemeinsame Fahrten, Lager, Freizeiten, und Bildungsangebote wurden in der zurückliegenden Zeit durchgeführt. Ohne die Teilnehmer aus Euren Gruppen wäre so manches ausgefallen. Auch auf der Vorstandsebene gibt es einen guten Kontakt. Mindestens ein Böhmerwälder oder Böhmerwälderin gehört dem DJO Vorstand immer an und schlägt durch seine aktive Mitwirkung auch die Brücke zwischen beiden Verbänden.

Zu Eurem Geburtstag sende ich Euch die herzlichsten Grüße unseres gesamten Verbandes. Mögen Eure Gruppen noch viele Jahre in großer Lebendigkeit bestehen, die Traditionen des Böhmerwaldes erhalten und noch vielen Kindern und Jugendlichen weitervermitteln.

Hartmut Liebscher, Landesvorsitzender

 

 

Rückblick

 

Im Jahre 1950 trafen sich auf der „Kangleralm“, am Hang des Dreisesselberges in Riedelsbach, an den Vortagen des Jakobitreffens, Erich Hans, Josef Kangler, Ignaz Rabhansel, Ludwig Tschunko und Alois Löffler.
Bei diesen Gesprächen wurde die Böhmerwaldjugend ins Leben gerufen. Gleichzeitig wurde der „Wanderstecken“, die Jugendseite der Heimatzeitschrift „Hoam!“ gegründet. Erich Hans war für diese Jugendbeilage die ersten 10 Jahre verantwortlich. Ihm folgten Gustav Schuster, Ingo Hans, Eva-Maria Hans und Sabine Januschko.

Zum ersten Böhmerwaldjugendlager lud Erich Hans im Dezember 1950 nach Lackenhäuser ein, zu welchem dann im Juli 71 Teilnehmer kamen. Dabei wurde ein Unterstützungsfond gegründet, um den Teilnehmern die Reise und die Teilnahme zu ermöglichen. Dieser Fond wurde von Adolf Webinger, damals Hintereben, verwaltet.
Hier ist noch zu erwähnen, dass Adolf Webinger von Anfang an die Jugendarbeit unterstützte. Er schrieb 1950 u.a.: „Ich selbst werde immer schützend und fördernd hinter Euch stehen.“

In den Jahren 1948 bis 1960 entstanden und arbeiteten in Baden-Württemberg, in Bayern und in Hessen die nachfolgenden BWJ-Jugendgruppen: Esslingen, Nürtingen, Aalen, Backnang, Karlsruhe, Fellbach, Ludwigsburg, Bretten, München, Forchheim, Passau, Kochel, Rosenheim, Landshut, Regensburg, Ellwangen, Kirchheim, Künzelsau, Heidelberg, Waldkirchen, Schrobenhausen, Tiefenbach, Linz (Ö), Wels (Ö), Augsburg, Waldkraiburg, Steinheim/Murr, Frankfurt, Marburg/Lahn, Aichach, Bopfingen, Göppingen und andere.

Ab 1953 wurden regelmäßig Jugendleiterschulungen durchgeführt. Bei einer dieser ersten Schulungen wurde auch die Form der Wimpel für die Jugendgrup-pen festgelegt.
1953 wurde das Haus für die Böhmerwaldjugend erworben - das „Vorhaus des Böhmerwaldes“ - ein Ausgedinghäuschen, das 1955 an Jakobi eingeweiht wurde.

Die Bundesfahne der BWJ wurde 1953 von der Heimatgruppe Esslingen und der „Arbeitsgemeinschaft der heimattreuen Böhmerwäldler“ in Baden-Württemberg der Jugend gestiftet.
Seit 1954 werden von der BWJ in Baden-Württemberg Landesjugendtage durchgeführt. - In den 70er Jahren wurde daraus der Bundesjugendtag der BWJ.

Am 1.1.1957 trat die erste Arbeitsordnung der BWJ in Kraft. Sie wurde in Ulm in voller Übereinstimmung beim Bundesjugendtag beschlossen. 
Beim Sudetendeutschen Tag 1957 überreichte der Führer der DJO Ossi Böse an die Bundesjugendleitung der BWJ eine DJO-Fahne, mit diesem Akt war die BWJ offizieller Teil der SDJ und damit der DJO geworden.

In diesem Jahr wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Böhmerwaldjugend (BWJ) mit Gustl Schuster ein Bundesleiter der Böhmerwaldjugend gewählt. Die Jugendgruppen hatten sich bis dahin in den Landesverbänden der BWJ organisiert, die ihrerseits eng mit den Landesverbänden der Böhmerwäldler in den beiden süddeutschen Bundesländern verknüpft waren. Was lag nun näher als diese beiden starken Landesgruppen zusammenzuschließen um eine gemeinsame Koordination aller Gruppen der BWJ zu versuchen. Mit der Jugendbeilage der Heimatzeitschrift „HOAM!“, dem „Wanderstecken“, war schon im Jahre 1950 ein Mitteilungsblatt der BWJ entstanden, das vom „Voder“ der BWJ, Prof. Erich Hans geleitet wurde und in welchem nun seit einem halben Jahrhundert für, über und durch die Böhmerwaldjugend berichtet wird. Im „Wanderste-
cken“ wurden die ersten Richtlinien für eine Arbeit der BWJ gegeben, es wurden Kontaktmöglichkeiten aufgezeigt und das kulturelle Erbe in Form von Liedern, Gedichten, Tänzen und Trachten weitergegeben. Dies alles führte dann schließlich zur Gründung einer Böhmerwaldjugend-Bundesleitung, deren Aufgabe es war und ist die einzelnen Gruppen der BWJ zu einen, Lehrgänge und Heimatabende zu organisieren sowie das Auftreten der Gruppen bei überregionalen Veranstaltungen der Böhmerwäldler zu koordinieren. Dies betrifft hauptsächlich das Jakobitreffen am Dreisesselberg, das Bundestreffen in Passau sowie die Organisation und Durchführung der Bundesjugendtage der BWJ, die seit 1971 alle zwei Jahre stattfinden.

Über 200 BWJ-Mitglieder waren 1961 in Passau bei der Patenschaftsübernahme der Stadt Passau über die Böhmerwäldler. - Für die BWJ wurde es bis heute Tradition die Tage beim Bundestreffen in Passau mit kulturellen Veranstaltungen auszuschmücken.

Bis Dezember 1963 war Gustl Schuster Bundesjugendleiter der BWJ. Sein Nachfolger wurde Ewald Fiedler.
Weitere Bundesjugendleiter waren danach: Erich Hans jun. 1966 bis 1977; Ingo Hans 1977 bis 1985; Günther Hans 1985 bis 1994; Stefan Klotz seit 1996.

Einer der Höhepunkte in der Geschichte der BWJ war das Bundestreffen 1995 in Passau. Dort erhielt die Böhmerwaldjugend den Kulturpreis der Stadt Passau.

Die Böhmerwaldjugend beschränkte sich mit ihren Auftritten und Reisen jedoch nicht nur auf ihre eigene Umgebung. Schon sehr bald waren Jugendgruppen unterwegs nach Schweden, Frankreich, Großbritannien, Malta und in andere Länder. Sogar bis nach Amerika zur Steuben-Parade und nach Brasilien sind sie gekommen.

Die Gruppen aus Aalen und Ellwangen nahmen mehrmals an der Europeade teil. Seit der Öffnung des „Eisernen Vorhanges“ ist es auch wieder möglich, in die Heimat zu fahren, was viele Gruppen genutzt haben. Aufzuzählen, welche Gruppe wohin gereist ist, würde Seiten füllen.

Seit 1995 finden nach achtjähriger Pause wieder Sommerlager der Böhmerwaldjugend in Lackenhäuser statt. 1999 traten die Teilnehmer am Ende des Sommerlagers bei einem Bunten Nachmittag der Ortsgruppe Schmidham auf. Es wurden Lieder und Tänze gezeigt, die in nur wenigen Tagen einstudiert wurden.
Das Jugendlager im Winter wurde vor einigen Jahren durch eine Familienfreizeit ersetzt.

Derzeit gibt es im Verhältnis zu den Anfangsjahren leider nur noch wenige Kinder- und Jugendgruppen, sowie Spielscharen: Aalen, Backnang, Ellwangen, Nürtingen, Esslingen, Forchheim, München, Schrobenhausen, Friedrichshafen, Heidelberg, Oftersheim und Wiesloch.

 

 

 

Damals im Wanderstecken

 

Nebelmond 1950: Der 1. „Wanderstecken“ erscheint

Als Einleitung war in dieser ersten Ausgabe zu lesen:

„Wenn man etwas Neues anfängt, dann redet man meist darüber, welchen Zweck dieses Neue haben soll. Wir wollen ganz schlicht sagen, dass wir jungen Leute meinen, wir seien eine neue Stufe in unserem Heimatvolk, welche auf dem Unterbau der früheren Stufen liegt. Unsere Stufe will ein wenig bröckelig werden, weil wir nicht beisammen sein können und weil jeder von uns wo anders lebt und arbeitet. Dawider wollen wir etwas tun. Wir meinen aber nicht, dass wir einer dem anderen vorschreiben können, was wir tun sollen, sondern wir wollen einer zum anderen wandern und einander zeigen, was jeder von uns tut und wie er lebt, und wir wollen dabei ein wenig darauf achten, dass wir das Gemeinsame in uns, unsere Herkunft, unser Wesen und unser gemeinsames Heimatrecht nicht vergesse und vertun. Wir wollen unsere Gedanken austauschen und dabei darauf achten, dass jeder, der mit uns reden will, recht und ordentlich zu Worte kommt. Der Mittelpunkt unserer Gedanken werden freilich immerzu unsere Heimatberge und ihre Menschen sein.
Damit fangen wir unsere Wanderung zueinander und heimzu an und nehmen voll Glauben an die Zukunft unseren Wanderstecken zur Hand.“

(Erich Hans)

 

Das 1. Böhmerwaldjugendlager

Die Einladung zu diesem Sommerlager erschien im Dezember 1950 im Wanderstecken:
„Das steht nun fest: Lager am Dreisessel
Wenn nur ein Teil der für uns bestehenden Aufgaben gelöst werden soll, dann müssen überall da, wo heute Böhmerwäldler wohnen, junge Leute sein, die wissen, was sie wollen können, und die wissen, was sie tun sollen und wie sie es tun sollen.
Soll ein echtes, lebendiges Band alle umschließen, wo sie auch sonst sein mögen, dann muß eine erlebnisstarke Grundlage geschaffen werden, die wirklich zu einem Quell neuen Lebens wird. Darum haben beim letzten Jakobitreffen auf dem Dreisessel eine Anzahl junger Böhmerwäldler beschlossen, alljährlich ein Ferien- und Urlaubslager für Jungen und Mädel der Heimat durchzuführen.
Wir Böhmerwäldler sind in einer glücklichen Lage: Wir können in unsere Heimatlandschaft gehen, denn die Gebiete um die Grenzberge des Böhmerwaldes gehören unmittelbar zu unserer Heimat.
Am Fuße des Dreisessels soll nun erstmalig im kommenden Sommer ein Lager errichtet werden, in welchem unsere Jungen und Mädel Böhmerwäldler Gemeinschaft erleben sollen und wo sie alle geistigen, kulturellen und wirtschaftlichen Schöpfungen und Werte des Böhmerwaldes kennen lernen sollen. In gemeinsamer Arbeit soll ein fest umrissenes Bild der Heimat geschaffen werden, das dann durch die Teilnehmer zu allen vertriebenen Böhmerwäldlern getragen werden soll. Leibesübungen werden die Tage ver-schönern.

Namhafte Männer der Heimat werden an der Gestaltung des Lagers mitarbeiten, Heimatabende, Tanz, Musik und Gesang, Wanderungen auf die Berge, Vorträge und Feiern werden das Lager zu einem unvergeßlichen Erlebnis werden lassen.

Das Lager wird in der Zeit um das Jakobitreffen, also Ende Juli - Anfang August 1951 laufen.

Um möglichst vielen Jungen und Mädchen die Teilnahme an dem Lager zu ermöglichen, wird ein Unterstützungsfond gegründet, der den Teilnehmern die Zugreise ermöglichen und die Lagerkosten für den einzelnen möglichst klein machen soll. Der Geldstock wird vom „Verein der heimattreuen Böhmerwäldler“ verwaltet. ...“

 

Winterlager 1964/65: Das erste Winterlager in Lackenhäuser

Bericht von Berthold Jany, Waldkirchen, erschienen Februar 1965 (gekürzt)

„ Sie kamen von Norden und zogen nach Süd...“, klang es frisch und fröhlich auch dann noch, als wir schon wieder zur Heimfahrt bereitstanden. 
Also, am 2. Weihnachtsfeiertag roasten wir gen´ Dreisessel, schier an die 70 Buam und Dirndln, in unser bekanntes, schönes Webingerhaus. ... Und wer denkt, dass mit hereinbrechender Dunkelheit alle müde und matt auf ihre Liegen in den Zimmern sich zurückzogen, der hat nicht mit der klugen Führung unseres Lagerleiters gerechnet. Grad so in der Zeit zwischen „finster wer´n und siagst mi nit“ spielte der Horst auf seiner Ziehharmonika; natürlich kamen wir alle herbei. Alte Volkstänze wurden getanzt und neue hinzugelernt - und gar manch eifriger Tänzer kam dabei ins Schwitzen.
So wie die Weisen schon in alten Zeiten taten, gab es zu Abschluß des Tages geistige Nahrung. Die Form? Aufschluß- und lehrreiche Vorträge und Debatten. Heidi Kastl las über „Adalbert Stifter in Lackenhäuser“ und zeigte dabei seine menschlichen Wesenszüge auf. - Manfred Pranghofer führte uns von einer Reise durch den Böhmerwald Lichtbilder vor. In seinen begleitenden Worten wies er darauf hin, wie vieles sich seit der Vertreibung verändert hat. Wo einstmals fruchtbare Äcker und Wiesen blühten und den Menschen Nahrung und Brot gaben ist ödes versumpftes Land oder ungepflegter Jungwald. Er zeigte Aufnahmen aus dem Raume Kaplitz, Budweis, Krummau, Oberplan, Salnau und Friedberg. Und sprach von den verschwundenen Gehöften und Dörfern.

Einen „Beitrag zur Bewältigung der Vergangenheit“ nannte Herr Schulrat a. D. Bürger seinen Vortrag. Als Vergleich erläuterte er Bilder aus der Geschichte anderer Länder und man gewann den Eindruck, dass das deutsche Volk in seiner Gesamtheit nicht besser und nicht schlechter als andere Völker sei.
Über die Wichtigkeit der Leibesübung und Leibeserziehung, besonders auch in den Jugendgruppen, sprach Herr Erich Hans, Dozent an der Päd. Hochschule Stuttgart. Er zeigte die biologischen und psychologischen Zusammenhänge auf, die die Naturnotwendigkeit der Leibeserziehung begründen.
An einem weiteren Abend las Heidi Kastl „Märchen und Sagen aus dem Böhmerwald“.

Sylvester brachte den Höhepunkt an Heiterkeit. - Lieder, Gebräuche aus dem Böhmerwald zum „Alten Jahr“, Stegreifspiele und allerlei lustige Streiche erfüllten das Haus. - Gestärkt mit heißem Punsch und Krapfen zogen wir dann mit der DJO zu einer Mitternachtsfeier auf eine hochgelegene Waldwiese. Im Kreise um den brennenden Holzstoß stehend erwarteten wir still das Neue Jahr. Der Lagerleiter sprach den Dank an das Alte Jahr.

In eindrucksvollen Worten wies er auf die feste innere Verbundenheit mit unserer Böhmerwaldheimat hin. Die beiden Lieder „Nichts kann uns rauben...“ und „Heimat dir ferne...“, beschlossen die schöne Feier.

Fast hätte ich den Sanitätskurs vergessen, der schon zu Beginn des Lagers anlief. Denn ein richtiger Schifahrer muß auch über die einfachen Hilfsmaßnahmen bei möglichen Unfällen Bescheid und Rat wissen.

Frisch und erheiternd war die Dichterlesung von unserem geschätzten Mundartdichter Karl Winter.
Es wachsen die Räume, es dehnt sich das Haus..., könnte man so recht zu den Erläuterungen von Herrn Oberlehrer Anderle aus Röhrnbach sagen, den wir als besorgten Hausvater kennenlernten. Wir können stolz und glücklich sein, ein so schönes Heim unser Eigen zu nennen. - Und was die Väter für uns gebaut, sollen wir zu erhalten wissen.
Der letzte Tag führte uns zum Gipfel des Dreisessel. Ganz tief verschneit und im herrlichsten Winterkleid sahen ihn noch die wenigsten von uns. ...“

 

 

 

Halbzeit: 25 Jahre BWJ

 

Über das 25. Sommerlager schreibt Birgit Kern 1975 im Wanderstecken:
„Am 24.7. konnte Erich Hans jun. wieder fast 60 Jungen und Mädchen im Adolf-Webinger-Haus in Lackenhäuser willkommen heißen. Wie die Jahre vorher mußte man Altersgruppen einteilen. Die Mädchen bis 14 Jahre betreute Inge Schwaigel, die jüngeren Buben unser Goliath, und die älteren beschäftigte Erich selber.
Am 26. und 27.7 fand in Passau das 8. Bundestreffen der Böhmerwäldler statt. Mit ihm wurde auch das 25 jährige Bestehen der Böhmerwaldjugend begangen. In seinem Festvortrag wies Prof. Erich Hans, der Gründer und 1. Bundesführer der Böhmerwaldjugend, auf die Entstehung, die Entwicklung und Zielsetzung dieses Jugendverbandes hin, der am 29. Juli 1950 mit einem ersten Lager in Riedelsbach seinen Anfang genommen und bis zu diesem Jahre überaus segensreich im Sinne bester Jugenderziehung und -schulung gewirkt hat. - Bemerkenswert war die Ausstellung „Der Böhmerwald heute“ in der Nibelungenhalle. Erschüttert nahmen wir die Bilder in uns auf, wie trostlos unsere Stammheimat heute aussieht. 
Die folgenden Tage brachten uns wahrhaftig keine Langeweile. Es fanden Ausflüge zur Kangleralm, zum Dreisessel, zum Osser und zum Bärnstein statt. Erich, Franz Essl und Sepp Skalitzky brachten uns älteren Teilnehmern manches bei, während die Kleinen mit Spielen, Bastelarbeiten und Wanderungen beschäftigt wurden. Nett und erlebnisstark war ein Leseabend unseres verehrten Sepp Skalitzky, dem dafür herzlichst gedankt sei. Nicht zu kurz kamen der Volkstanz und das Singen, und Freizeit gab es auch.
An einem Abend - und das war ein Sonderfall - hielten wir einen Volkstumsabend im „Bergland“ ab. Wir taten dies zu Gunsten des Herrn Kempinger, dessen Haus einen Tag vorher abgebrannt war. ...

Navigation