Bundesseminar des Deutschen Böhmerwaldbundes

Das diesjährige Seminar in Lackenhäuser (29.3. – 2.4.16) im Adolf-Webinger-Haus begann nicht mit der traditionellen Mahnmalfeier, da einige Teilnehmer unseren Landsmann Heinz Präuer auf seinem letzten Weg auf dem Ostfriedhof in München begleitet hatten und verspätet eintrafen.
Bei der offiziellen Eröffnung der Veranstaltung nach dem Abendessen stellte Seminarleiter Gustl Riedl das Programm für die Tage vor, das wieder sehr abwechslungsreich und interessant gestaltet war.

 

Das tägliche Singen mit Renate Slawik war erfrischend für Körper und Geist, zumal sie eine kleine aber feine Liedersammlung zusammengestellt hatte, die auch fast vergessene Weisen aufleben ließ.


Ein wichtiges Thema der Arbeitswoche war die Neustrukturierung des Verbandes, die durch Verschlankung und Verjüngung den Ansprüchen für die Arbeit in die Zukunft hinein gerecht werden soll. In Vorbereitung ist eine diesbezügliche Satzungsänderung, die bis zur Bundeshauptversammlung im Herbst 2016 vorliegen soll. Sehr kompetent erläuterte Gustl die erarbeiteten Pläne.
Die Vertreter der heimattreuen Böhmerwäldler, Franz Nodes und Wolfgang Stiepani, gaben ein kurzes Statement zur aktuellen finanziellen Lage bezüglich des Adolf-Webinger-Hauses und der Heimatzeitschrift „Hoam!". Beide Einrichtungen bedürfen einer ausgeklügelten Finanzierungstrategie, die durch zahlreiche Spendenbereitschaft erleichtert werden könnte.


Mit dem sehr persönlich gehaltenen Vortrag „Daheim in Böhmisch Röhren" nahm uns Heinz Pollak mit auf eine Besuchsfahrt in seinen Heimat. Zerstörung und Verfall sind heute Kennzeichen dieser einst lebendigen Böhmerwaldgemeinde, von der Pollaks Vater erzählt hatte und dessen Geist der Sohn aufzuspüren suchte.
Das Leben in und mit der Natur war eine Selbstverständlichkeit für die Böhmerwäldler. Daher hatten die Ausführungen von Thomas Janschek zum Thema „Thymian und Mistelzweig" – Symbolik und Brauchtum rund um Pflanzen – ein sehr aufmerksames Auditorium. Lebendig und anschaulich zeigte er in Wort und Bild die Phänologie der Pflanzen auf, die die Arbeit der Menschen und die damit verbundenen Traditionen im Jahreslauf bestimmte.


Eine Bierverkostung der besonderen Art präsentierte uns Herr Janschek dann am Abend. Aktuell zum 500. Jubiläum des deutschen Reinheitsgebotes, das bestimmt, dass der Gerstensaft nach wie vor nach alter Väter Sitte nur aus Wasser, Malz, Hefe und Hopfen gebraut werden darf, erfuhren wir, dass aber Hopfen nicht gleich Hopfen ist, sondern es über 200 verschiedene Hopfensorten aus unterschiedlichsten Anbaugebieten gibt. Beim Probieren der Biere waren Nase und Geschmacksnerven gefordert. Mit dabei war auch das sogenannte „Craft-Beer", das in den 1980er Jahren in den USA entstanden ist, aber hierzulande nur als kostspieliges Nischensegment die Szene belebt.
Der Ausflug am Donnerstag versprach uns ein besonderes Erlebnis, konnten wir doch erstmals durch einen Teil des einstigen militärischen Sperrgebietes „Boletice" fahren. Der Bus brachte uns nach Tschechien und erster Halt war bei der Kirche in Ottau, wo wir einiges über die Geschichte und die Renovierungsarbeiten erfuhren. Um die Mittagszeit besuchten wir Krummau, um dann weiter durch das Sperrgebiet nach Stein und Honetschlag zu gelangen. Wo einst Häuser und Gehöfte standen, erstreckt sich kilometerweite von der Natur zurückeroberte Landschaft. Die alte Kirche von Stein ist in ihrer Schlichtheit und mit den wieder sichtbaren Fresken eine Besonderheit, die die meisten zum ersten Mal besichtigen konnten. Ebenso hat die Kirche von Honetschlag nach dem II. Weltkrieg vielfältigen Missbrauch erlitten. Unter der Leitung von Renate wurden in allen Gotteshäusern einige Marienlieder angestimmt. Endstation unserer Tagesreise war Böhmisch Röhren, das uns Heinz Pollak am Vortag sehr nahe gebracht hatte. Leider war die Zeit etwas knapp.


Der Freitag begann nach dem Frühstück mit der Mahnmalfeier. In seiner kurzen Rede erinnerte der Bundesvorsitzende Ingo Hans an die feierliche Enthüllung und Weihe des von Frau Prof. Berta Klement geschaffenen Denkmals vor 40 Jahren, das 30 Jahre nach der Vertreibung als Gedenkstätte für die Toten und als Mahnung für die Lebenden errichtet wurde. Angesichts der gegenwärtigen Lage in der Welt sei das Thema Flucht und Vertreibung von schmerzlicher Zeitnähe. Und er mahnte, dass wir heute 70 Jahre nach unserer Vertreibung, als kleine Volksgruppe, deren Wurzeln im Böhmerwald verhaftet sind, einen Weg finden müssen, der uns in eine gesicherte vitale Zukunft führt.
Zurück im Webinger-Haus, stellte uns die bayerische Landeskulturreferentin Gabi Strobl in einer Dichterlesung den fast vergessenen Literaten Dr. Richard von Kralik, Ritter von Meyrswalden vor.
Dann war es Zeit, Malkasten, Wasserglas und Pinsel hervorzuholen, um mit unserem letztjährigen Kulturpreisträger Dieter Wührl künstlerisch tätig zu werden. Zur Einführung erklärte er uns, wie die Komposition eines Bildes, also die Anordnung der verschiednenen Elemente auf der Bildfläche und der Rhythmus und die Betonung innerhalb des Bildes, geschaffen wird. Zunächst ließ er uns mit abstrakten Formen experimentieren, um uns anschließend Gegenständliches vorzugeben. Konzentriert waren alle bei der Arbeit und in der abschließenden Gemäldegalerie waren so manche Kunstwerke zu bewundern.


Vor dem Abendessen und dem gemütlichen Abschlussabend stand noch einmal der DBB und die Heimatgruppen auf der Tagesordnung. Termine und Veranstaltungen wurden bekannt gegeben. Bei der Seminarbesprechung äußerten sich alle sehr zufrieden über den Programmablauf und schlugen diverse Aktivitäten für das Seminar 2017 vor.
Nach dem Frühstück am Samstag endete das erfolgreiche Seminar mit dem Schlusskreis. Friederike Hans (nach Protokoll von Traudl Wolfgang)

 

In der Ottauer Kirche

 In der Ottauer Kirche

 

Uralte Fresken in der Kirche von Stein

Uralte Fresken in der Kirche von Stein

 

In der schönen Kirche in Honetschlag

In der schönen Kirche in Honetschlag

 

Mit Heinz Pollak auf dem Friedhof in Böhmisch Röhren

Mit Heinz Pollak auf dem Friedhof in Böhmisch Röhren

 

Die Seminarteilnehmer im Garten vom Adolf-Webinger-Haus

 Die Seminarteilnehmer im Garten vom Adolf-Webinger-Haus 

 

 

 

 

 

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