Der Böhmerwald

 

1. HERKUNFT DES NAMENS

Aristoteles, Cäsar und Tacitus kannten den Böhmerwald unter dem Namen "Hercynia silva". "Gebetra hyle" "Steinbockwald" so nannte Claudius Ptolemäus unser Gebiet. Dieser Name ist höchstwahrscheinlich keltischen Ursprungs. Wichtig für den jetzigen Namen Böhmerwald ist aber die Zeit der Völkerwanderung. Tacitus berichtet 98 n. Chr. in seinem Werk "Germania", das nach dem Auszug der Bojer aus dem Elbe-Moldau-Gebiet der Name Boihaemum geblieben ist. Dieser Name entwickelte sich über Beheima zu Böheim und schließlich zu Böhmen. Bereits in der Raffelstetter Zollordnung (903-906) finden wir die Bezeichnung "silva Boemica", das war die Benennung für den "Wald gein Beheim". In der Ebsdorfer Weltkarte (1235) wird das Gebiet "Bohemica silva" benannt und in der Kaiserchronik aus dem 12./13. Jh. tritt der deutsche Name "Beheimwalt" auf. Seit dem 12./13. Jh. wird der Name Böhmerwald urkundlich nachweisbar so gebräuchlich.

 

2. LANDSCHAFT

a) die Ausdehnung Im Quellgebiet der Mies und Waldnaab bei Tachau beginnend, verläuft der Böhmerwald nach Südosten zu bis zur Linie Krummau-Freistadt. Die südliche Begrenzung wird durch den "Bayrischen Pfahl" gebildet. Als Nordgrenze kann die Linie Klattau-Schüttenhofen-Wollin und der Westrand des Budweiser Beckens gelten. Es muß jedoch auch der geschichtliche Begriff "Böhmerwald" berücksichtigt werden. Er umfaßt neben dem schon genannten Gebiet auch Landschaften östlich der Linie Krummau-Freistadt, nämlich dem Raum südlich von Budweis mit Kaplitz, Deutsch Beneschau und Gratzen bis Gmünd. Auch Budweis und die umliegenden Sprachinseldörfer sind noch einbezogen. b) das Gebirge Langgezogene, wellenförmige Bergrücken kennzeichnen den Böhmerwald. Die allgemeine Streichrichtung unseres Gebirges verläuft von Nordwest nach Südost. Einige quergestellt Rücken unterbrechen diese Streichrichtung. Einer dieser Querriegel, der Rinchnacher Hochwald, bildet die Scheide zwischen dem "oberen" und "unteren" Wald. Der Böhmerwald ist ein Waldgebirge. Das Vorgebirge ist zwar schon seit langer Zeit zum großen Teil gerodet und in Ackerland verwandelt worden, die Gebirgsrücken, besonders aber das Grenzgebirge sind noch mit dichtem Wald bestanden. Ein Teil dieser Waldungen ist noch Urwald (Arbergebiet, Osser und Kubany).

 

3. BEVÖLKERUNG

a) Die Stammeszugehöriqkeit der Böhmerwäldler Das Volkstum der Böhmerwäldler weist auf ihre Stammeszugehörigkeit zum bayrischen Volkstamm hin. Oberpfälzer Mundart fand man im oberen Böhmerwald bis zur Linie Eisenstein-Schüttenhofen. Von dieser Linie an sprach man Donaubayrisch, wobei sich etwa von der Linie Dreisessel-Oberplan gegen Südosten zu der oberösterreichische Einschlag immer stärker durchsetzte. b) Bevölkerungszahlen nach einer Statistik Diese Statistik umfaßt 22 Gerichtsbezirke. Sie stützt sich auf die Volkszählungen von 1910 und 1921. Die Gesamtzahl der Bevölkerung betrug 277 119 (1910). Davon waren 232 431 Deutsche und 44 688 Tschechen. Die Tschechen bildeten 16 % der Gesamtbevölkerung. Bei Wegrechnung von 18 überwiegend tschechischen Orten an der Sprachgrenze, in denen 20 198 Deutsche und 33 252 Tschechen lebten, bleiben für das vorwiegend deutsche Gebiet 212 233 Deutsche und 11 436 Tschechen. Das entspricht einem Prozentanteil der Tschechen von 5,1 %. Von 883 vorwiegend deutschen Gemeinden lebte in 590 (66,8%) im Jahre 1910 kein einziger Tscheche.

 

4. LAND- UND FORSTWIRTSCHAFT

46 % des Böhmerwaldes war Waldfläche und ca. 50 % landwirtschaftlich genutzte Fläche. Der Rest setzte sich aus Straßen, Wegen aller Art, Gewässern usw. zusammen. Ein Hof aus dem oberen Böhmerwald soll hier für die Nutzung beschrieben werden: Beschreibung des Hofes "Groß Babylon" bei Hartmanitz, das Eigentum der Fam. Haas, ein "Künischer Freibauernhof". Er umfaßte: 85,8948 ha Wald 15,1205 ha Acker 4,1368 ha Wiesen 3,4494 ha Weiden 0,1198 ha Hof u. Bauplatz 0,1780 ha Wege Die Hoffläche lag in 800 - 1121 m Höhe am Kiesleitenberg. Trotz dieser Höhenlage brachte der dortige Verwitterungsboden aus Gneis- und Glimmerschiefer beachtliche Hektarerträge. - Allgemein kann gesagt werden, daß die Landwirtschaft mit vielen Zweigen und die Waldwirtschaft im Böhmerwald vor dem Kriege ein hohes Niveau hatte.

 

5. FREMDENVERKEHR

Der Böhmerwald war ein Erholungsgebiet der Zukunft. Nur in einigen Orten, wie z.B. in Eisenstein wurde bereits an diesem Erwerbszweig ,gebaut".

 

6. INDUSTRIE UND GEWERBE

In früheren Jahrhunderten kam dem Bergbau eine hohe Bedeutung zu. (Eisenbergbau, Goldbergbau und Goldwäsche in vielen Flüssen, Silberbergbau und im Budweiser Becken Kohleabbau). Bis vor dem letzten Krieg war eine vielfache Tätigkeit in Industrie und Gewerbe im Böhmerwald zu Hause. Die Holzindustrie mit allen Möglichkeiten der Holzverarbeitung (Möbel, Geräte, Bauholz, Resonanzholz usw.) bis zur Papierindustrie und die Glasindustrie, die Weltruf besaß. Durch gut zu verarbeitende Steine und Erden entwickelte sich auch hier eine rege wirtschaftliche Tätigkeit. Weit verbreitet war im Böhmerwald die ,Hausindustrie", z.B. Wirtschaftsgeräte aller Art, Spitzenklöppelei, Dachschindeln, Spielzeuge, Weidenkorbflechterei, Hausweberei, Holzschnitzerei, Zündholzdraht, Holzschuhe und vieles anderes mehr.

 

7. KUNST UND KULTUR

Das Auf und Ab der Geschichte hatte auf das Kunstschaffen im Böhmerwald großen Einfluß. Der Ausgangspunkt der kulturellen Entwicklung war die im 12. Jh. einsetzende Landnahme deutscher Siedler. Bereits in der Mitte des 13. Jh. bildete der Böhmerwald, trotz landschaftsgebundener Eigenständigkeit, die dritte Komponente im passauisch- südböhmisch- österreichischen Kunstkreis. a) Baukunst Im Zeitalter der Gotik entwickelte sich eine hervorragende Baukunst. Die ,Rosenberger Bauhütte" errichtete die dreischiffige von 8 schlanken Pfeilern gegliederte Halle der Stadtpfarrkirche St. Veit in Krummau. Der Gotikbau von St. Veit weist den Weg, den viele ,Meister" der Baukünste über Südböhmen genommen haben. Denken wir an Hans und dessen Sohn Peter von Prachatitz, einem Schüler Peter Parlers, der die Bauhütte von St. Stephan in Wien übernahm und das Wahrzeichen Wiens den Stephansturm erbaute. - Der Krummauer Stephan Krumenauer baute in Braunau am Inn die Stadtpfarrkirche, und die Verwirklichung des Raumtyps der Wandpfeilerhalle im Domstift zu Salzburg geht auf ihn zurück. Die Rosenberger Bauhütte war an vielen Orten des Böhmerwaldes tätig. Ein großes Geltungsbedürfnis des selbstbewußten Bürgertums und das Verlangen des Adels nach Prachtentfaltung führte im 16. Jh. zu prachtvollen Renaissance- Bauten. Einige Beispiele: das Krummauer Schloß erhielt Erweiterungsbauten und den herrlichen, einmaligen Turm; die Städte Budweis, Krummau, Prachatitz und Bergreichenstein errichteten baulich sehr bemerkenswerte Rathäuser. Im Barockzeitalter wurden schöne Bauwerke und Ausbauten geschaffen. Kilian Ignatz Dienzenhofer entwarf und baute die Wallfahrtskirche in Gutwasser bei Budweis. Die herrlichen barocken Innenräume, vor allem der Bibliotheksaal des Stiftes Hohenfurth, entstanden. Im Krummauer Schloß wurde die älteste, unveränderte Barockbühne Böhmens erstellt. b) Bildhauerei und Malerei Nicht nur die Baukunst sondern auch die Bildhauerei und Malerei waren im Böhmerwald zu Hause. Ohne eine bodenständige Vorstufe erscheint in der Zeit um 1400 eine Vielzahl von Plastiken. Dazu zählen vor allem die ,Schönen Madonnen", die in Holz und Stein gearbeiteten Darstellungen Marias mit dem Kind. Dazu gehört die weit bekannte ,Schöne Krumauerin" die Krummauer Madonna. ,Ihre weltabgewandte Anmut und ihr zarter Liebreiz sind innigster Ausdruck einer vom Marienkult verklärten Mütterlichkeit". (E. Raffelsberger) Schon im 14. Jh. wurde die Tafelmalerei betrieben. Im Zisterzienserkloster Hohenfurth und im Augustinerchorherrenstift Wittingau wurden solche Werke von überragender Bedeutung geschaffen. In der Nationalgalerie in Prag wird die aus neun Bildtafeln bestehende Tafelbilderfolge der Heilsgeschichte des ,Meisters von Hohenfurth" aufbewahrt. Ebenso der ,Meister von Wittingau", der aus der Wittingauer Pflegestätte der Malerei hervortrat, schuf wertvollste Tafelbilder. Auch in der heutigen Zeit finden wir hervorragende Böhmerwäldler Bildhauer und Maler. Da ist der in Stuttgart lebende Bildhauer Otto Herbert Hajek, der die Stifterbüste für die Walhalla formte. In Wien wirkt die Bildhauerin Berta Klement, die das ausdrucksvolle Mahnmal der Böhmerwäldler, das 1976 am Beginn des Witikosteiges eingeweiht wurde, geschaffen hat. Diese zwei sollen für die vielen Kunstschaffenden aus dem Böhmerwald genannt sein. c) Dichter Der Böhmerwald brachte im Laufe der Geschichte viele Schriftsteller, Dichter und Erzähler hervor. Adalbert Stifter aus Oberplan, dessen Schrifttum in die Weltliteratur eingegangen ist, ist hier an erster Stelle zu nennen. Seine herrlichen Bücher wie: ,Der Nachsommer", ,Witiko", die ,Bunten Steine" oder die ,Studien" sollten gelesen werden. Die Bücher ,Aus wilder Wurzel" und ,Der Pfarrer von Dornloh" stammen aus der Feder des Dichters Hans Watzlik, er soll stellvertretend für die vielen Anderen hier genannt sein.

 

8. GESCHICHTLICHES

So undurchdringlich wie der Böhmerwald schien war er nicht, viele alte Handeslwege durchzogen ihn. Sie entstanden, weil Salz in den salzlosen böhmischen Kessel gebracht werden mußte. Durch diese Steige entstanden Orte und Städte die hohe Blütezeiten erlebten. Einer der bekanntesten ist wohl der ,Goldene Steig", der von Passau über Waldkirchen und Wallern nach Prachatitz führte. - Hussittenkriege und der Dreißigjährige Krieg brachten schlimme Zeiten in den Böhmerwald. Im ,Künischen Gebirge" spielte sich die ereignisreiche Geschichte der ,Künischen Freibauern" an. Das Auf und Ab der ,Künischen" wurde durch Verpfändung, Unterdrückung und Verkauf geprägt. (Künisch = Königlich). Adelsgeschlechter, wie die Witigonen, die Rosenberger, die Schwarzenberger und die Grafen Buquoy haben im geschichtlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben der Böhmerwäldler eine große Bedeutung.

 

9. SAGEN UND MÄRCHEN

Viele Sagen- und Märchengestalten entstanden im Böhmerwald. Hans Watzlik sagt dazu: ,Unser Böhmerwald ist ein wunderschönes, tiefgrünes Land voller Berge und Bäume und Bäche und gottesnaher Einsamkeit. Er bringt aber noch einen anderen unendlichen Reichtum, und das sind seine übermütigen Schwänke und lieblichen Märchen und finsteren Sagen. Besonders die Sage ist es, die unklare Kunde, außerwirklicher, wunderbarer Begebenheiten, die um Wald und Wasser und Moor, um Berg und Burg, um Gotteshaus und Bauernhütte, um vergangene Zeiten und Menschen tiefsinnig ihre dunklen und goldenen Fäden spinnt und mit ihren seltsamen Geschöpfen heimlich unsere Heimat bevölkert und sie uns näher ans Herz bringt". 10. ZUSAMMENFASSUNG Gerichtsbezirk Neugedein, Taus, Neuern, Schüttenhofen, Hartmanitz, Bergreichenstein, Winterberg, Wallern, Prachatitz, Oberplan, Kalsching, Krummau, Hohenfurth, Kaplitz, Gratzen. Budweis - Berge: Osser (1283m), Arber (1457m), Rachel (1452m), Lusen (1370m), Dreisessel (1311m), Hochficht (1375m), St.Thoma (l023m), Schöninger (l084m), Kubany (1362m) u.v.m. Gewässer: Chamb, Weißer und Schwarzer Regen, Ilz, Gr. Mühl, Angel, Widra, Wolinka, Flanitz, Moldau mit all ihren Zuflüssen, Maltsch. Wirtschaft-und-Industrie: Landwirtschaft (Vieh, Acker usw.) Forstwirtschaft, Glasindustrie, Papierindustrie, Holzindustrie, ,Heimindustrie".

 

11. KULTURELLES LEBEN DER BÖHMERWÄLDLER NACH DER VERTREIBUNG IN STICHPUNKTEN:

* Deutscher Böhmerwaldbund mit der Böhmerwaldjugend. * Die Monatszeitschrift ,Hoam!" und ,Wanderstecken", die Jugendbeilage des ,Hoam!" für die Böhmerwaldjugend. * Sowie weitere zwei Heimatzeitschriften: ,Prachatitzer Heimatbrief" und, Glaube und heimat". * Das ,Böhmerwäldler Jahrbuch". * Viele kulturelle Veranstaltungen im Bundesgebiet und im Ausland. * Bundestreffen in der Patenstadt der Böhmerwäldler Passau verbunden mit einer Kulturpreisverleihung. * Herausgabe von heimatbezogenem Schrifttum, Bildbänden, Tonträgern, Filme, Ausstellungen, Kartenmaterial * Das Adolf-Webinger-Haus, das ,Vorhaus des Böhmerwaldes" - Böhmerwaldjugendhaus am Fuße des Dreisessels gelegen, eine Kulturstätte aller Böhmerwäldler. * Das Mahnmal der Böhmerwäldler in der Nähe des Böhmerwaldjugendhauses, oberhalb des Rosenberger Gutes, in dem Stifter seinen ,Witiko" vollendete. * Das Böhmerwaldmuseum in der Patenstadt Passau mit einer großen Bibliothek * Böhmerwaldmuseum in Wien * 22 Heimatstuben und Archive

Navigation